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Ach! die Lücke, die entsetzliche Lücke!

  • Autorenbild: Fio Yuxuan Wu
    Fio Yuxuan Wu
  • 7. März
  • 3 Min. Lesezeit

Heute habe ich den Film gesehen. Er wird oft als Tragikomödie beschrieben, und genau das ist er auch: leicht, manchmal absurd, manchmal humorvoll – und gleichzeitig von einer stillen Melancholie durchzogen.

Der Titel spielt nämlich auf den berühmten Ausruf aus Goethes Faust an: „Ach! die Lücke, die entsetzliche Lücke!“ — ein Ausdruck für ein plötzliches Gefühl von innerer Leere oder Orientierungslosigkeit.

Die Lücke scheint ganz konkret zu sein. Im Film entstehen Lücken durch Verlust: den Unfalltod von Joachims Bruder, das Sterben der Großeltern, das Verschwinden von Menschen, die einmal Teil unseres Lebens waren.

Wenn jemand geht, bleibt etwas zurück. Ein Raum, der vorher gefüllt war.


Die Lücke, die ein Mensch hinterlässt

Der Verlust eines geliebten Menschen hinterlässt eine Leerstelle im Leben der Zurückgebliebenen. Diese Lücke ist spürbar: in Erinnerungen, in Gewohnheiten, in Orten, die plötzlich anders wirken.

Doch der Film zeigt auch etwas anderes: Das Leben hält nicht an.

Menschen leben weiter. Der Alltag bewegt sich weiter. Und die Lücke verschwindet nicht – aber sie verändert ihre Bedeutung.

Man beginnt, mit ihr zu leben.


Wie eine Lücke neue Wege öffnen kann

Interessant ist, dass eine solche Leerstelle nicht nur Schmerz bedeutet. Sie kann auch Bewegung auslösen. Bei Joachim wird der Tod seines Bruders zu einem Wendepunkt. Er schlägt eine neue Richtung ein und beginnt ein Schauspielstudium.

Man könnte sagen: Die Lücke wird zu einer Quelle von Energie.

Vielleicht entsteht daraus ein besonderer Antrieb – eine Intensität, die man vorher nicht hatte. In den Herausforderungen der Schauspielschule zeigt Joachim eine bemerkenswerte Kraft. Es ist, als ob die Leere ihn nicht nur belastet, sondern auch antreibt.

Die Lücke bleibt, aber sie wird transformiert.


Die Welt füllt ihre Lücken – Menschen tragen ihre eigenen weiter

Der Film zeigt auch eine zweite Perspektive.

Auf der großen Ebene der Welt bleiben Lücken selten lange leer. Wenn jemand stirbt oder geht, ziehen andere Menschen ein.

Die Villa der Großeltern bekommt neue Bewohner. Der Ort bleibt bestehen, nur die Personen verändern sich.

Die Welt füllt ihre Lücken schnell.

Doch auf der persönlichen Ebene ist es anders. Die Lücke, die ein Mensch in unserem eigenen Leben hinterlässt, verschwindet nicht so einfach.

Wir tragen sie mit uns weiter.

Vielleicht wird sie kleiner. Vielleicht verändert sie ihre Form. Aber sie bleibt Teil unserer Geschichte.


Leben im Fluss

Während ich darüber nachdachte, fiel mir etwas auf: Der Gedanke der Lücke passt erstaunlich gut zu einem anderen Bild – dem Fluss.

Die Welt fließt. Das Leben fließt.

Wenn ein Stein ins Wasser fällt, entsteht eine Störung, eine Leerstelle, eine Bewegung. Doch der Fluss bleibt nicht stehen. Das Wasser findet seinen Weg darum herum und fließt weiter.

Vielleicht ist das Leben genauso.

Menschen kommen. Menschen gehen. Wir begegnen Dingen. Wir verlieren Dinge.

Und trotzdem bewegen wir uns weiter.


Beobachten, fühlen, verwandeln

In gewisser Weise fühle ich mich Joachim ein wenig ähnlich.

Er ist kein besonders extrovertierter Mensch. Aber er hat eine starke Fähigkeit zur Beobachtung. Auch ich beobachte gerne.

Menschen, Situationen, kleine Eigenheiten des Alltags – vieles wirkt manchmal seltsam, sogar skurril. Doch gerade durch Beobachtung, manchmal auch durch Teilnahme, beginnt man zu verstehen.

Man sammelt Eindrücke. Man sammelt Geschichten. Man sammelt Erfahrungen.

Und aus ihnen entsteht etwas Neues.

Vielleicht ist genau das eine Möglichkeit, mit den Lücken des Lebens umzugehen: nicht sie zu verdrängen, sondern sie wahrzunehmen, zu fühlen und schließlich zu verwandeln.


Am Ende hinterlassen wir selbst eine Lücke

Der Gedanke führt noch weiter.

Eines Tages wird jeder von uns selbst eine Lücke in der Welt hinterlassen.

Die Welt wird weitergehen. Andere Menschen werden die äußeren Räume füllen.

Aber irgendwo wird auch eine kleine persönliche Leerstelle bleiben – in den Erinnerungen der Menschen, die uns kannten.

Vielleicht ist genau das der natürliche Rhythmus des Lebens.

Begegnen. Verlieren. Weitergehen.

Beobachten. Fühlen. Verwandeln.

Und immer weiter im Fluss bleiben – bis auch wir selbst einmal zu einer Lücke werden, die Teil dieser fließenden Welt ist.

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Eine leise Notiz, ab und zu.

© Fio Wu — Fragmente im Fluss.

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