“Die Braut” werden
- Fio Yuxuan Wu

- 10. März
- 3 Min. Lesezeit
Gestern habe ich The Bride gesehen, eine gotische Science-Fiction-Neuinterpretation der klassischen Frankenstein-Geschichte.
Zuerst erwartete ich einen Horrorfilm. Schließlich beginnt alles mit dem vertrauten Motiv: Ein Wissenschaftler erschafft Leben, setzt einen Körper zusammen und bringt ihn auf unnatürliche Weise zum Leben.
Doch im Verlauf der Geschichte hat mich der Film überrascht.
Für einen Moment fühlte er sich sogar wie eine Komödie an.
Die seltsame Beziehung zwischen Frankenstein und seiner Schöpfung — Ida, die später Penelope genannt wird — hat etwas unerwartet Zärtliches. Ihre Ungeschicklichkeit, ihre Neugier auf die Welt, ihre Versuche, Liebe und Existenz zu verstehen, wirken fast kindlich. In diesen Momenten strahlt der Film eine eigenartige Wärme aus.
Doch unter dieser Wärme liegt etwas Tragisches.
Beide Figuren leiden. Beide suchen ihren Platz in der Welt. Beide erleben den Tod — erneut.
Und als sie sterben, deutet der Film an, dass sie wieder zum Leben erweckt werden könnten. In diesem Sinne schließt sich der Kreis fast wieder zur Komödie: Der Zyklus geht weiter, die Geschichte beginnt von Neuem.
Die Schönheit der „verrückten“ Figuren
Während ich den Film sah, merkte ich, dass er mich auf ähnliche Weise berührt wie andere Geschichten, die ich liebe — zum Beispiel Poor Things, Joker und Figuren wie Harley Quinn.
Alle diese Geschichten zeigen Figuren, die in gewisser Weise „verrückt“ erscheinen.
Doch das Verrückte, das mich daran fasziniert, ist nicht bloß Chaos oder Zerstörung. Es ist etwas anderes: eine Art Reinheit.
Diese Figuren begegnen der Welt fast wie Kinder.
Frankenstein und Ida in The Bride. Bella in Poor Things. Und sogar Figuren wie Joker und Harley Quinn — auf ihre eigene, verzerrte Weise.
Sie alle teilen etwas Ungewöhnliches: In gewisser Weise sind sie bereits einmal gestorben. Und nach diesem symbolischen Tod beginnen sie ein neues Leben.
Vielleicht deshalb scheinen sie frei von vielen Ängsten zu sein, die gewöhnliche Erwachsene binden.
Sie erkunden die Welt direkt. Sie drücken sich ohne Zögern aus. Sie lieben leidenschaftlich. Sie erschaffen ihre eigenen Regeln und ihre eigene Wirklichkeit.
Sie bewegen sich mit einer furchtlosen Neugier durch das Leben — etwas, das Erwachsene oft verlieren.
Beim Zuschauen fragte ich mich:
Könnte ich auch so leben?
Können wir wiedergeboren werden, ohne zu sterben?
Diese Figuren erleben eine wörtliche oder symbolische Wiedergeburt.
Frankenstein erschafft Ida aus dem Tod. Bella in Poor Things beginnt ihr Leben mit einem neuen Bewusstsein. Der Joker entsteht aus einer zerbrochenen Identität heraus als jemand Neues.
Alle überschreiten eine Schwelle — Tod, Wahnsinn, Transformation — und danach scheinen sie befreit.
Doch die meisten von uns erleben keine so dramatische Wiedergeburt.
Also stellt sich die Frage:
Können wir mit derselben Freiheit leben, ohne zuvor sterben zu müssen?
Können wir diese kindliche Leidenschaft für die Welt wiederfinden, ohne uns dabei selbst zu verlieren?
Vielleicht besteht die Antwort nicht darin, ihren Wahnsinn buchstäblich nachzuahmen. Ihre Welten sind oft ebenso zerstörerisch wie schön. Absolute Freiheit ohne Reflexion kann leicht ins Chaos führen.
Aber vielleicht können wir etwas Einfacheres von ihnen lernen:
der Welt mit Neugier begegnen, uns ehrlich ausdrücken, Leidenschaft und Kreativität wieder Raum geben.
Nicht indem wir unser altes Selbst zerstören, sondern indem wir seine starren Grenzen langsam lockern.
Man selbst werden
Am Ende des Films blieb mir ein Moment besonders im Gedächtnis.
Ida entdeckt schließlich, wer sie ist.
Sie ist nicht mehr die Person, die sie einmal war. Sie ist nicht Penelope, der Name, den Frankenstein ihr gab. Sie ist nicht einfach Frankensteins Schöpfung oder seine Braut.
Sie ist einfach die Braut.
Nicht von anderen definiert. Nicht von der Vergangenheit bestimmt.
Einfach sie selbst.
Vielleicht liegt genau darin die stille Botschaft dieser seltsamen gotischen Geschichte.
Wir müssen nicht sterben und wiedergeboren werden wie Frankensteins Geschöpfe, um neu beginnen zu können.
Manchmal genügt es, aus den Rollen herauszutreten, die andere uns gegeben haben.
Nicht länger jemandes Projekt zu sein, jemandes Erwartung, jemandes Etikett.
Und leise, aber bestimmt zu sagen:
Ich bin einfach ich selbst.



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